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Warum zeigt meine Festplatte weniger Speicherplatz als angegeben?

6 Min. Lesezeit

Eine neue “1-TB”-Festplatte zeigt unter Windows nur 931 GB an, weil der Hersteller dezimal rechnet (1 TB = 1.000.000.000.000 Byte), während das Betriebssystem binär rechnet und in 1024er-Schritten herunterteilt. Kein Byte fehlt, es wird nur mit zwei verschiedenen Maßstäben gemessen. Der Konverter weiter unten rechnet beide Varianten für dich durch.

Zwei Systeme, eine Zahl

Digitaler Speicher wird auf zwei Arten gezählt, und beide sind für sich genommen korrekt. Speicherhersteller und Internetanbieter rechnen dezimal, also im Zehnersystem: 1 KB sind 1000 Byte, 1 MB sind 1000 KB, 1 GB sind 1000 MB, 1 TB sind 1000 GB. Das ist praktisch, weil es sich an das metrische System anlehnt, das man aus jedem anderen Lebensbereich kennt.

Betriebssysteme wie Windows, macOS und die meisten Linux-Dateimanager rechnen dagegen binär, also in Zweierpotenzen, weil Computer intern mit Bits arbeiten und 1024 (2 hoch 10) die nächstliegende runde Zahl im Binärsystem ist. Dort gilt: 1 KB sind 1024 Byte, 1 MB sind 1024 KB, 1 GB sind 1024 MB, 1 TB sind 1024 GB. RAM-Spezifikationen folgen derselben Logik.

Der technisch saubere Name für die binären Einheiten wäre KiB, MiB, GiB und TiB (Kibibyte, Mebibyte, Gibibyte, Tebibyte), eingeführt genau um diese Verwechslung zu vermeiden. In der Praxis benutzt sie kaum eine Consumer-Software. Das “GB”, das dir der Windows-Explorer anzeigt, ist in Wirklichkeit ein GiB, nur eben falsch beschriftet, eine Gewohnheit, die sich seit den 1990ern hält.

Speicherhersteller wechseln nicht aus Willkür zur dezimalen Zählweise. Größere, runde Zahlen verkaufen sich besser, aber der Hauptgrund ist, dass sich der dezimale Standard schlicht an der internationalen Einheitendefinition orientiert, während Betriebssysteme aus technischen Gründen an der Zweierpotenz festhalten. Beide Seiten haben also einen nachvollziehbaren Grund für ihre Wahl, nur einigen sie sich seit Jahrzehnten nicht auf eine gemeinsame Beschriftung.

Das Rechenbeispiel

Am deutlichsten wird der Effekt bei einer neuen Festplatte. Der Hersteller gibt eine feste Byte-Zahl an, das Betriebssystem zeigt dieselben Bytes nur binär geteilt an:

Angegebene Kapazität (dezimal, Hersteller)Exakte ByteAngezeigt vom System (binär)
500 GB500.000.000.000 Byte465,66 GB
1 TB1.000.000.000.000 Byte931,32 GB

Bei 1 TB verschwinden also rein rechnerisch fast 69 GB, ohne dass auch nur ein Byte fehlt. Auffällig ist, dass die prozentuale Lücke in beiden Zeilen nahezu gleich bleibt, rund 6,9 Prozent, weil beide Angaben in derselben Einheit (GB) verglichen werden und der Umrechnungsfaktor zwischen 1000 und 1024 auf dieser Stufe konstant ist. In absoluten Gigabyte gerechnet wird die Lücke bei größeren Platten trotzdem sichtbar größer: Aus einer 4-TB-Platte werden auf dieselbe Weise etwa 3725 GB, statt der theoretischen 4000 GB, also fast 275 GB “Differenz”, einfach weil sich derselbe Prozentsatz auf eine größere Zahl bezieht.

Der zweite Fall betrifft nicht Festplatten, sondern einzelne Dateien, zum Beispiel ein Video, das dein Handy als “4,5 GB” anzeigt:

UmrechnungErgebnis binär (1024)Ergebnis dezimal (1000)
1 GB → MB1024 MB1000 MB
4,5 GB → MB4608 MB4500 MB

Ein 4,5-GB-Video hat binär gerechnet 4608 MB, dezimal gerechnet 4500 MB. Das Betriebssystem, das dir die Dateigröße im Explorer oder Finder anzeigt, verwendet dabei binär, also die 4608er-Zahl. Ein Downloadmanager oder eine Website, die die Dateigröße vorab in dezimal angibt, landet bei 4500. Beide Angaben sind richtig, sie beschreiben nur nicht dasselbe Rechenmodell.

Rechne deine eigenen Werte um

Willst du eine bestimmte Festplattengröße, Dateigröße oder RAM-Angabe selbst nachrechnen? Der Konverter unten wandelt zwischen Byte, KB, MB, GB, TB und PB um, in beiden Modi gleichzeitig, sodass du direkt siehst, welche Zahl zu welchem System gehört.

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Häufige Fehler und Sonderfälle

Den “fehlenden” Speicherplatz für einen Defekt oder Betrug halten. Das ist der häufigste Reflex, wenn eine neue Festplatte weniger anzeigt als auf der Verpackung steht. Es ist aber kein verlorener Speicherplatz und kein Garantiefall. Alle physischen Bytes sind vorhanden und nutzbar, es ist ausschließlich ein Unterschied in der Maßeinheit zwischen Hersteller und Betriebssystem.

Mb mit MB verwechseln. Internetanbieter geben Verbindungsgeschwindigkeiten in Megabit pro Sekunde an, abgekürzt Mb oder Mbps, mit kleinem “b”. Dateigrößen und Download-Fortschrittsbalken zeigen dagegen Megabyte, MB, mit großem “B”. Ein Byte hat 8 Bit, ein Tarif mit “100 Mbps” lädt also maximal mit etwa 12,5 MB pro Sekunde herunter, nicht mit 100 MB pro Sekunde. Wer diese beiden Einheiten gedanklich gleichsetzt, überschätzt die reale Downloadgeschwindigkeit um den Faktor 8.

Annehmen, KB bedeute immer 1024 Byte. Streng genommen, nach dem dezimalen SI-Standard, bedeutet KB 1000 Byte. Der korrekte Begriff für 1024 Byte wäre KiB. Fast jede Consumer-Software, die “KB” schreibt, meint in Wirklichkeit ein getarntes KiB. Das ist keine große Sache im Alltag, aber relevant, sobald du eine technische Spezifikation exakt nachrechnen willst.

Binär und dezimal in ein und demselben Vergleich mischen. Bevor du im Kopf umrechnest, lohnt sich ein kurzer Blick darauf, welches System das jeweilige Datenblatt oder die jeweilige Anzeige verwendet. Vergleichst du eine dezimal angegebene Herstellerkapazität direkt mit einer binär angezeigten Systemzahl, ohne die Umrechnung zu berücksichtigen, kommt zwangsläufig ein falsches Ergebnis heraus, obwohl beide Ausgangszahlen für sich genommen stimmen.

Häufig gestellte Fragen

Warum zeigt meine Festplatte oder SSD weniger Speicherplatz an als angegeben? Weil der Hersteller die Kapazität dezimal berechnet (1 TB = 1.000.000.000.000 Byte), während dein Betriebssystem sie binär anzeigt und dabei durch 1024 statt durch 1000 teilt. Eine “1-TB”-Platte zeigt deshalb rund 931,32 GB an. Die physische Speicherkapazität ist identisch, nur die Maßeinheit unterscheidet sich.

Was ist der Unterschied zwischen KB und KiB? KB (Kilobyte) bedeutet nach dem strengen dezimalen SI-Standard 1000 Byte. KiB (Kibibyte) ist der korrekte Begriff für 1024 Byte. In der Praxis benutzt fast jede Consumer-Software trotzdem “KB”, meint damit aber eigentlich KiB, deshalb kommt es überhaupt zu der Verwirrung.

Sollte ich den binären oder dezimalen Modus verwenden? Nimm binär (1024), wenn deine Ausgangszahl von einem Betriebssystem, einem Dateimanager oder einer RAM-Spezifikation stammt. Nimm dezimal (1000), wenn die Zahl von einer Festplatten- oder SSD-Verpackung oder von einer Internetgeschwindigkeit kommt. Im Zweifel: schau nach, wer die Zahl ursprünglich angegeben hat, nicht wo du sie gerade abliest.

Wie viele MB sind in 1 GB? Binär gerechnet 1024 MB, dezimal gerechnet 1000 MB. Beide Angaben sind gültig, sie hängen davon ab, ob die Quelle der Zahl ein Betriebssystem (binär) oder ein Hersteller beziehungsweise Internetanbieter (dezimal) ist.

Warum lädt mein “100 Mbps”-Internet nicht mit 100 MB/s herunter? Weil “Mbps” Megabit pro Sekunde bedeutet, nicht Megabyte. Ein Byte hat 8 Bit, also erreichst du mit einer 100-Mbps-Leitung theoretisch höchstens etwa 12,5 MB pro Sekunde. Das ist keine Drosselung, sondern schlicht eine andere Einheit als die, die dein Download-Fenster in MB anzeigt.

Ist 1000 GB dasselbe wie 1 TB? Dezimal ja, exakt: 1000 GB entsprechen genau 1 TB. Binär nicht ganz: 1 TB entspricht dort 1024 GB. Welche der beiden Aussagen zutrifft, hängt wieder davon ab, in welchem System die Ausgangszahl gemeint war.

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